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Wann ist Sexualität "abnorm"?

Die Diskussion über "Normalität" oder "Abnormitäten" in der Sexualität ist wahrscheinlich so alt wie die Sexualität selbst. Und es ist kein Ende dieser Diskussion abzusehen, denn die Bewertung der Sexualität in "erlaubt" oder "nicht erlaubt" erfolgt vor einem gesellschaftlichen Konsens. Jede Gesellschaft macht sich ihre eigenen Regeln, deshalb kann man auch gar keine allgemein gültigen Normen aufstellen. Der Konsens, der bei uns Gültigkeit hat, ist in anderen Kulturen verpönt, umgekehrt gibt es gerade bei uns Restriktionen, die es anderswo nicht gibt.

Die hier wiedergegebene Meinung entspricht der Lehrmeinung in Mitteleuropa. Mir ist bewusst, dass meine Ausführungen nur in diesem Kontext ihre Berechtigung haben. Dieser Kontext bedeutet defacto: Sexualität ist dann erlaubt, wenn 1.niemand dabei zu Schaden kommt und 2. - das ist sehr wichtig und auch bahnbrechend - die sexuelle Selbstbestimmung nicht verletzt wird. Dies ist insofern neu, als auch bei uns in konservativen Kreisen immer noch von einer "ehelichen Pflicht" die Rede ist. Eine solche ist nach unseren Regeln, den Regeln der von mir vetretenen Sexualmedizin, nicht denkbar.

Eine 3. Regel erscheint mir nicht minder wichtig: Sexualität darf es nur zwischen zwei gleich starken Partner geben, denn nur dann ist der Konsens der Freiwilligkeit auch legitim.

Das beste Beispiel ist wohl die Beurteilung der Homosexualität selbst, jenes Phaenomens, das der eigentliche Inhalt dieser Website ist.

Selbst in westlichen Demokratien bestenfalls toleriert, jedenfalls noch lange nicht akzeptiert, steht darauf in vielen Staaten immer noch die Todesstrafe. Und auch in unseren Breiten sollte mann sich noch nicht zu sicher fühlen, denn der aus Amerika herüberschwappende Konservativismus beginnt bereits wieder Homosexualität zu "heilen".

Doch zurück zum eigentlichen Inhalt dieses Kapitels, der "abnormen Sexualität". "Abnorm" kann hier allenfalls bedeuten, dass sie nicht den Erregungsmustern der Durchschnittsbürger entspricht. "Abnorme" Sexualität oder besser die "daneben liegende Liebe", der wörtlichen Übersetzung von "Paraphilie", kann aber durchaus legitim sein. Wie gesagt, solange niemand einen Schaden nimmt und auch niemand in seinem Selbstbestimmungsrecht verletzt wird.

Paraphilien sind nicht "abnorm" im bewertenden Sinne, sondern nur im beschreibenden.

Paraphilien sind in der Öffentlichkeit nicht mehrheitsfähig und in der Beziehung kaum konsensfähig.
 
 
 
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